Rubrik Wasser / Abwasser

Abwasserfreiheit und Anbindung an den Rhein bewirken steigende Artenvielfalt

„Tag des Fisches“: Gründling ist zurück in der Emscher

22.08.2025 – Lesezeit ca. 3 Minuten 91

„Tag des Fisches“: Gründling ist zurück in der Emscher

Der Gründling ist zurück in der Emscher. Erst jüngst wurde die Fischart auch beim "Tag der lebendigen Emscher" in Castrop-Rauxel und Dortmund nachgewiesen.

Zum „Tag des Fisches“ (Freitag, 22. August) gibt es eine freudige Nachricht von der Emscher. In dem erst seit knapp vier Jahren abwasserfreien Fluss ist der Gründling gesichert nachgewiesen worden. Die Funde belegen die Erholung des Gewässers, das einst über 170 Jahre lang die Abwässer der gesamten Region transportierte. Die Rückkehr der Artenvielfalt in die vor wenigen Jahren noch biologisch tote Emscher ist das Ergebnis des Generationenprojektes Emscher-Umbau, in das die Emschergenossenschaft zwischen 1992 und 2021 knapp 5,5 Milliarden Euro investiert hatte.

Einer der wichtigsten Meilensteine bei der Revitalisierung des zentralen Flusses des Ruhrgebietes war die barrierefreie Anbindung der Emscher an den Rhein. Im November 2021 hatte die Emschergenossenschaft im Beisein von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst die Emscher in die neue Mündungsaue geleitet und damit an den Rhein angeschlossen. Der alles entscheidende Unterschied zu vorher: Seit dem Umschluss trifft die Emscher auf gleicher Höhe auf den Rhein. Zuvor war die Emscher über ein massives Betonbauwerk knapp sechs Meter tief in den Rhein gestürzt – Fische aus dem Rhein hatten aufgrund dieser unüberwindbaren Barriere keine Möglichkeit, das Emscher-Gebiet zu besiedeln.

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Mittlerweile genießen die Flussbewohner aus dem Rhein ihre neugewonnene Reisefreiheit und entdecken das Emscher-System für sich – unter ihnen eben auch der Gründling. "Im Rahmen von Gewässeruntersuchungen, sogenannter Erfolgskontrollen zur Gewässerbesiedlung, konnte der Gründling bereits an mehreren Stellen in der Emscher gefunden werden. Hier bildet er lokal bereits kleinere Vorkommen. Es ist davon auszugehen, dass sich der Fisch mit der positiven Entwicklung der Emscher-Gewässer weiter ausbreiten wird", sagt Gunnar Jacobs, Artenschutzexperte bei der Emschergenossenschaft. Übrigens: Auch vor der Anbindung der Emscher über die neue Mündung an den Rhein waren zum Gründling lediglich isolierte Einzelfunde der Art bekannt, und dies vorwiegend aus den Nebenläufen der Emscher. Es wird vermutet, dass diese von Menschen ausgesetzt wurden. Der Gründling ist ein gesellig lebender Karpfenfisch (Cyprinidae). Der Schwarmbildner hält sich überwiegend am Grund auf und lebt sowohl in stehenden als auch fließenden Gewässern mit sandigem oder kiesigem Grundsubstraten und Pflanzenwuchs. Mit einer Größe von 10 bis 15 Zentimetern ist er relativ klein. Bei Gefahr versucht er, sich Fressfeinden zu entziehen, indem er sich möglichst mit dem ganzen Körper in den Untergrund eingräbt. Kleine Gewässerorganismen und Insektenlarven bilden die Nahrung für den Gründling.


Emschergenossenschaft
Am 14. Dezember 1899 als erster deutscher Wasserwirtschaftsverband gegründet, ist die Emschergenossenschaft heute gemeinsam mit dem 1926 gegründeten Lippeverband Deutschlands größter Betreiber von Kläranlagen und Pumpwerken. Die Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Unternehmens sind die Abwasserentsorgung, der Hochwasserschutz sowie die Klimafolgenanpassung. Ihr bekanntestes Projekt ist der Emscher-Umbau (1992-2021), bei dem die Emschergenossenschaft im Herzen des Ruhrgebietes eine moderne Abwasserinfrastruktur baute. Dafür wurden 436 Kilometer an neuen unterirdischen Abwasserkanälen verlegt und vier Großkläranlagen gebaut. Rund 340 Kilometer an Gewässern werden insgesamt renaturiert. Parallel entstanden in enger Kooperation mit den kommunalen Partnern über 360 Kilometer an Rad- und Fußwegen, die das neue blaugrüne Leben an der Emscher und ihren Nebenläufen erleb- und erfahrbar machen.

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