Rubrik Wasser / Abwasser

37. Oldenburger Rohrleitungsforum

Klimafolgenanpassung – Wasserbewusste Stadtentwicklung

21.01.2025 – Lesezeit ca. 4 Minuten 172

Klimafolgenanpassung – Wasserbewusste Stadtentwicklung

Die Folgen der Erderwärmung zeigen sich auch in Deutschland deutlich. Da warme Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann, steigt auch die Gefahr von Starkregenereignissen. (Bild: Umweltbundesamt)

Lange Hitzeperioden und zunehmende Starkregenereignisse – der Klimawandel stellt derzeit eine zentrale Herausforderung für die Siedlungswasserwirtschaft, die Stadtplanung und kommunale Entscheidungsträger dar. Angesichts häufig auftretender Extremwetterereignisse besteht die dringende Notwendigkeit, zukunftsorientierte Gesamtkonzepte für die Planung und den Betrieb urbaner Wasserinfrastrukturen zu entwickeln. Dieses wird mit dem Leitthema „Städte der Zukunft – Transformation unterirdischer Infrastruktur“ des 37. Oldenburger Rohrleitungsforums am 6. und 7. Februar 2025 aufgegriffen: Wie lässt sich für den urbanen Raum eine interdisziplinäre Klimafolgenanpassung adressieren, um so die negativen Auswirkungen der aktuellen klimatischen Veränderungen zu minimieren?

Das Klima ist heute deutlich wärmer als in vorindustrieller Zeit. Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilt, waren die vergangenen zehn Jahre in Deutschland 2,3 Grad wärmer als zu Beginn der Messungen 1881. Auch für 2024 sieht der DWD die Durchschnittstemperatur hierzulande auf einem neuen Rekordniveau.
Die Folgen dieser Entwicklung sind weitreichend. Denn je wärmer die Luft ist, desto mehr Feuchtigkeit kann sie aufnehmen. Während die Häufigkeit von Niederschlägen dadurch in der Tendenz latent abnimmt, steigt dafür ihre Intensität.

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Interdisziplinär und wasserbewusst planen und bauen

Starkregenereignisse, die mit unterschiedlichen Intensitäten auftreten, führen zu partiellen großen Wasserströmen, die von zentralen Kanalisationssystemen oftmals nicht mehr aufgenommen werden können. Damit droht die Gefahr urbaner Sturzfluten, die Menschen und Infrastrukturen gefährden. Daher ist es in Fachkreisen unbestritten, dass die durch den Klimawandel bedingten Wetterextreme eine Transformation des modernen Wassermanagements erfordern. Um diesen Herausforderungen zu begegnen und die Klimaresilienz von Städten effektiv und nachhaltig zu erhöhen, greifen immer mehr kommunale Akteure auf den Ansatz einer wasserbewussten Stadtentwicklung und eines dezentralen Regenwassermanagements zurück. Dieses Konzept ist nicht neu. Es integriert einen verantwortungsbewussten Umgang mit dem Thema Wasser in die Stadtentwicklung der Zukunft. So lassen sich Menschen vor übermäßigen Wassermassen schützen. Zudem ist es möglich, Wasser naturnah und dezentral zu bewirtschaften, um das lebensnotwendige Grundwasser zu erhalten und den natürlichen Wasserkreislauf zu unterstützen.

Städte besonders vulnerabel

„Im Wesentlichen geht es darum, alle relevanten urbanhydrologischen Aspekte in die Stadtentwicklung mit einzubeziehen und interdisziplinäre Initiativen zu entwickeln, die Siedlungswasserwirtschaft sowie Stadt- und Raumplanung verbinden. Ziel ist es, Regenwasser naturnah zu bewirtschaften, versiegelte Flächen zu entsiegeln und weitestgehend von leitungsgebundenen Infrastrukturen abzukoppeln“ beschreibt Mike Böge M. Eng., Geschäftsführer des Instituts für Rohrleitungsbau an der Fachhochschule Oldenburg e.V., die zentralen Aspekte des nun notwendigen Transformationsgeschehens. „Viele städteplanerische Ansätze fokussieren sich auf die Implementierung blau-grüner Infrastrukturen, bei denen hydrologische Funktionen eng mit der Gestaltung urbaner Natur- und Landschaftselemente verknüpft werden. Blaue Elemente (Wasser) und grüne Elemente (Vegetation, Parks und Plätze) tragen sowohl zum Schutz vor Überschwemmungen als auch zur Minderung urbaner Hitzeinseln bei“, so Böge weiter. Gerade auch grüne Infrastrukturen wie Bäume, Gründächer oder begrünte Fassaden unterstützen die Versickerung und Verdunstung des Oberflächenwassers und reduzieren den Abfluss signifikant. Ebenso können modulare Blockrigolensysteme eingesetzt werden, um Oberflächenwasser vor Ort zu speichern, zu versickern und/oder wenn nötig kontrolliert in das Kanalisationssystem einzuleiten. In diesem Zusammenhang sind intelligente Abflusssteuerungsmöglichkeiten – beispielsweise durch Auswertung von Sensor- oder Radardaten – zunehmend gefragt.

Wertvolles Wasser nutzen – zukunftsfähig handeln

Darüber hinaus versteht ein modernes Regenwassermanagement Niederschläge heute als eine kostbare Ressource, die vor Ort aufgefangen und im Sinne des Konzeptes einer Schwammstadt gespeichert werden. „Die Errichtung eines Stauraumkanals, der Einbau von Baumrigolen und die Nutzung von smarten Technologien zur Regenwasserüberwachung sind vor diesem Hintergrund nur ein paar Beispiele, wie Städte ihre unterirdische Infrastruktur modernisieren und an die Klimafolgen anpassen können, um auch morgen noch attraktive Lebensräume darzustellen. Im Kontext des Oldenburger Rohrleitungsforums möchten wir über Lösungen für mehr Klimaresilienz diskutieren und wichtige Impulse geben“, betont Böge.

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