12.12.2024 – Lesezeit ca. 5 Minuten 41
Die Fassadenrinne BG-FLEX FA von BG-Graspointner schützt die Fassade zuverlässig vor Spritz- oder Oberflächenwasser. Den Dacheinläufen der Unterdruckentwässerung in der zweiten Dichtebene sind Revisionsschächte des Unternehmens aufgesetzt. (Bild: © BG-Graspointner )
Aus- und Weiterbildung im Zeitalter der Digitalisierung ist das zentrale Thema des neuen Center of Excellence der WKO Steiermark in Graz. Auf rund 14.200 Quadratmetern entsteht ein innovativer Bildungscampus, mit modern ausgestatteten Werkstätten sowie Seminar- und Schulungsräumen. Den offen ausgeschriebenen zweistufigen Realisierungswettbewerb gewannen ATP architekten ingenieure, welche mit dem „Center of Excellence“ einen neuen Bildungshotspot in Graz gestalteten. Das Zentrum des neuen WKO-Areals bildet ein großzügiger und abwechslungsreich gestalteter Platz, der alle (auch zukünftigen) Gebäude miteinander verbindet.
Die beiden Kernthemen des Campus – Praxis und Theorie – werden fast unmerklich von der Architektur aufgegriffen: Eine riesige durchgängige Bodenplatte teilt das Center of Excellence horizontal in zwei Funktionsbereiche: Unter der langgezogenen, leicht aus dem grünen Hang gehobenen Platte liegen die Werkstätten, oberhalb der Bodenplatte die Seminar-, Büro- sowie Verwaltungsräume. Der hierfür errichtete mehrgeschossige Baukörper sitzt scheinbar schwebend auf einem leicht zurückgesetzten „Erdgeschoss“. Stirnseitig zur nahe gelegenen Kreuzung auskragend, entfaltet dieser eine große städtebauliche Wirkung.
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Die Kontur der Bodenplatte begleitet die angrenzende Bergmanngasse/ Grabenstraße elegant während die Vollverglasung einen ungehinderten „Schaufensterblick“ in die Wifi-Werkstätten gewährt. Über diese Schaufensterpassage ist der „Einblick“ in das Gebäude gegeben, der „Eintritt“ erfolgt eine Etage höher auf der Rückseite. Egal wo man steht, empfindet man sich jedoch gefühlt im Erdgeschoss, denn: Die auf der Rückseite als Platz gestaltete Dachterrasse verschmilzt durch die leichte Hanglage mit dem Gelände und erst die Wegeführung „Werkstätten Erdgeschoss“ erinnert an den erhöhten Standort.
Zwei Systeme, eine Lösung
Die Fläche der zu entwässernden „Dachterrasse“ ist mit knapp 2.050 Quadratmetern von beachtlicher Dimension. Wegen der Anforderung der Befahrbarkeit war sie zudem konstruktiv als Verkehrsfläche auszuführen. Für die Oberflächenentwässerung bedeutet dies, dass hohe dynamische Lasten abgefangen werden müssen. Das Oberflächenwasser sollte über ein hochleistungsfähiges Rinnensystem direkt den Dacheinläufen der darunterliegenden zweiten Entwässerungsebene zugeführt und gemeinsam mit dem Sickerwasser abgeleitet werden. Es galt also, zwei unterschiedliche Systeme miteinander zu kombinieren: eine statisch wenig belastbare Dachentwässerung mit einer hochbelastbaren Verkehrsflächenentwässerung. Die Entwässerungssysteme von BG-Graspointner, sowie deren hohe Kompetenz Sonderlösungen zu entwickeln, waren Architekten und Planern bekannt. Und so wurde das Unternehmen früh in die technische Beratung mit einbezogen.
Fixpunkte für die Planung waren die Dacheinläufe der Unterdruckentwässerung, denn: Diese mussten für die Wartung und Reinigung stets zugängig sein. Allen Dacheinläufen wurden deshalb höhenverstellbare Revisionsschächte von BG-Graspointner direkt aufgesetzt. Solche Revisionsschächte sind keine Standardbausteine, auch nicht im eingesetzten Rinnensystem BG-FILCOTEN® pro G (Gusskante). Aber das passgenaue Anfertigen solcher Sonderteile gehört sehr wohl zum „Standard“ – zumindest bei BG-Graspointner.
Die Sonderbauteile sind mit einem Öffnungsquerschnitt von 40 auf 40 Zentimeter entwässerungstechnisch überdimensioniert, jedoch ist so die geforderte gute Zugänglichkeit der ganz unten im Schacht liegenden Dacheinläufe des Unterdrucksystems gewährleistet. Die Basis dieser Revisionsschächte ist jeweils ein Rahmen aus verzinktem Stahlblech, an dessen vier Eckpunkten Gewindestangen sitzen. Über diese kann der teleskopierbare Schacht exakt auf die erforderliche Höhe eingestellt werden. Den oberen Abschluss der Revisionsschächte bilden einliegende stabile Einlaufroste aus Gusseisen mit einer 4-fach-Verschraubung. Die Schächte befinden sich wegen der Revision direkt über den Dacheinläufen, sitzen diesen aber nicht auf. Die bei einer Befahrung auftretenden hohen Belastungen werden über diese selbsttragende Konstruktion also direkt auf die Stahlbetondecke übertragen. Die Dacheinläufe des Unterdrucksystems sind somit komplett „Last entkoppelt“ – der konstruktive Idealfall.
Der Gesamtaufbau der Dachterrassen entspricht den gängigen technischen Ausführungen: Der Stahlbetondecke mit aufgeschweißten Bitumenbahnen sind Drainage-Noppenplatten sowie das Filtervlies Geotextil aufgelegt. Es folgen der Drainagebeton sowie eine Lage Split zur Verlegung der Platten. Lagestabil eingebettet in den Drainagebeton sitzen die Revisionsschächte. Seitlich an diesen schließen die linear verlegten Entwässerungsrinnen BG-FILCOTEN® pro G an. Mit einer Nennweite von 150 mm wird das Oberflächenwasser schnell abgeleitet und den Revisionsschächten zugeführt. Seitlich angeordnete Schlitze in den Revisionsschächten ermöglichen dem Sickerwasser ein ungehindertes Zuströmen zu den Dacheinläufen.
Die ausgeführten Einlaufroste aus Gusseisen harmonieren gut mit dem großformatigen, in leicht abgestuften Grautönen gehaltenen Plattenbelag. Auch für dessen direkten Anschluss an das Gebäude wählten die Architekten eine technisch und gestalterisch hochwertige Ausführung. Mit der Fassadenrinne BG-FLEX FA von BG-Graspointner entschieden sie sich für ein Rinnensystem in Edelstahl. 250 mm breit und 90 mm tief, halten diese extrem flach ausgelegten Rinnen zuverlässig Spritz- sowie Oberflächenwasser von der Fassade fern. Die dem Gebäude abgewandten Längsseiten sind mit Schlitzen perforiert, sodass das Oberflächenwasser direkt in die Drainageebene eingeleitet wird – zusätzliche Entwässerungsrohre entfallen komplett. Die eingelegten Edelstahlroste sind begehbar und mit dem Rollstuhl befahrbar – und sie schaffen einen gestalterisch perfekten Anschluss an das Gebäude. In Summe betrachtet setzten ATP architekten ingenieure sowohl im Gesamtentwurf als auch in der Detailarbeit mit diesem Projekt eine architektonische Referenz.