Dieser Artikel ist zur Veröffentlichung in der Ausgabe 5 - September / Oktober 2027 der gedruckten Kommunalwirtschaft vorgesehen.

Rubrik Verkehr / Mobilität

Offen für den E-Booster

14.08.2026 – Lesezeit ca. 4 Minuten 13

Die 75-Prozent-AfA soll betriebliche E-Mobilität beschleunigen. Auch kommunale GmbHs und AGs können den attraktiven Steuervorteil nutzen. Beim Leasing setzt das allerdings einen „Modellwechsel“ voraus. Nur sogenannte „offene“, kaufähnliche Leasingverträge sind von der Sonderabschreibung begünstigt.

Stadtwerke, Netzgesellschaften, Entsorger und andere kommunale Unternehmen haben sich ehrgeizige Klimaziele gesetzt. Ihre Service-, Montage- und Betriebsflotten bieten einen technischen wie öffentlichkeitswirksamen Hebel. Die Umstellung bindet jedoch erhebliche Mittel und kann die Liquidität gerade in der Anfangsphase stark beanspruchen. Der vom Bund geschaffene „E-Booster“ kommt somit „wie gerufen“. Er ermöglicht es, für rein elektrische betriebliche Fahrzeuge, die nach dem 30. Juni 2025 und vor dem 1. Januar 2028 angeschafft werden, im Anschaffungsjahr 75 Prozent der Anschaffungskosten steuerlich abzuschreiben.1 In den fünf Folgejahren folgen weitere 10, 5, 5, 3 und 2 Prozent. Damit fällt der steuerliche Effekt in den späteren Jahren zwar geringer aus als bei einer linearen Abschreibung. Für die Flottenumstellung ist aber gerade der Zeitpunkt entscheidend.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

Geld für die Dekarbonisierung

Die geringere Steuerzahlung hält zunächst Geld im Unternehmen, das für die frühere Beschaffung weiterer E-Fahrzeuge und die nötige Infrastruktur mit Blick auf nachhaltige CO₂- und Kostenoptimierungen eingesetzt werden kann. Die Kommune oder die Träger im Verbund erhalten bei einem angenommenen Gewerbesteuerhebesatz von 400 Prozent zwar zunächst rund 163.000 Euro weniger Gewerbesteuer. In ihrer eigenen Gesellschaft bleiben aber gleichzeitig rund 350.000 Euro zusätzliche Liquidität für das politisch postulierte Ziel der Dekarbonisierung. Allerdings hat der E-Booster einen „Webfehler“. Bei klassischen Leasingverträgen, wie sie weit verbreitet sind, wird das Fahrzeug steuerlich dem Leasinggeber zugerechnet, sodass nur dieser von der Abschreibung profitiert.2 An dem Unternehmen, das seine Flotte dekarbonisieren will, geht der Booster damit vorbei. Das gilt allerdings nicht für kaufähnliche „offene“ Leasingverträge (vgl. BMF-Schreiben vom 19.04.1971 – IV B/2 – S 2170 – 31/71). Diese erfüllen die Voraussetzungen für Abschreibungen, weil die Fahrzeuge in das Betriebsvermögen eingehen.3

Offene Leasingverträge

Bei offenen Leasingverträgen zahlen die Leasingnehmer ebenfalls feste Raten. Diese decken aber nicht die Refinanzierungskosten und die Gewinnmarge der Leasinggesellschaft ab, sondern dienen der Finanzierung des einzelnen Fahrzeugs. „Die Laufzeit bestimmt allein der Leasingnehmer. Er kann den Vertrag bereits ab dem dritten Monat kündigen, indem er die Restschuld begleicht, und sodann über sein Fahrzeug frei verfügen“, so Henning Schick, Sales Director in der deutschen Niederlassung der US-amerikanischen Holman-Gruppe, die den offenen Vertrag seit 2015 als Hauptprodukt für gewerbliche Flotten in Deutschland anbietet.4 Nach der Ablösung kann das Unternehmen das Fahrzeug weiter nutzen, zum aktuellen Marktwert verkaufen oder die Vermarktung dem Leasinganbieter überlassen. Kilometergrenzen sowie Abrechnungen über Mehr- oder Minderkilometer und Rückgabeschäden entfallen bei diesem Modell. Der Austauschzeitpunkt lässt sich dadurch stärker am tatsächlichen Mobilitätsbedarf ausrichten.

Die monatlichen Raten eines offenen Vertrags können höher sein als beim klassischen Kilometerleasing. Dem steht der vorgezogene Steuereffekt gegenüber. Beispiel: 50 E-Fahrzeuge zu jeweils 40.000 Euro ergeben ein Investitionsvolumen von zwei Millionen Euro. Davon können im ersten Jahr 1,5 Millionen Euro abgeschrieben werden. Bei einer vereinfachten linearen Abschreibung über sechs Jahre wären es rund 333.000 Euro. Die zusätzliche Gewinnminderung beträgt somit etwa 1,17 Millionen Euro. Bei einer Ertragsteuerbelastung von rund 30 Prozent bleiben dem Unternehmen zunächst etwa 350.000 Euro mehr Liquidität.

Handfeste Liquiditätsvorteile

„Hohe degressive Abschreibungen zu Zeiten hoher Körperschaftsteuersätze sowie sinkende Körperschaftsteuersätze ab 2028 führen zu Liquiditätsvorteilen, Zinserträgen sowie Steuerersparnissen. Neben Industriebetrieben profitieren im öffentlichen Bereich vor allem Energie-, Wärme- und Wasserversorger sowie nicht-hoheitlich tätige Entsorgungsunternehmen“, so die auf die öffentliche Hand sowie die Ver- und Entsorgungswirtschaft spezialisierte Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Fides.5 Beim Kauf vollelektrischer Fahrzeuge werde man diesen Ansatz anwenden, heißt es vonseiten kommunaler GmbHs und AGs. Der Fokus liegt auf Pkw sowie auf leichten Transportern. Allerdings eigne sich nach dem Stand der Technik nicht jeder leichte Transporter für eine Elektrifizierung. Bei Baustellenfahrzeugen müsse neben dem Fahrbetrieb auch die Energieversorgung von (Neben)Verbrauchern wie Werkzeugen sichergestellt werden.

Geld ist nicht alles

„Die Umstellung auf E-Mobilität gewinnt bei kommunalen Unternehmen an Fahrt. Die Sofortabschreibung kann Investitionsentscheidungen beschleunigen“, so ein Sprecher des Verbands kommunaler Unternehmen. Für nachhaltige Dynamik bedürfe es auch verlässlicher Rahmenbedingungen, etwa beim Ausbau von Ladeinfrastruktur und Stromnetzen.6

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

Sie können diese Ausgabe kaufen oder ein Abonnement abschließen, um diesen Artikel hier sofort und komplett zu lesen. Mit einem Abonnement erhalten Sie zusätzlich jede gedruckte Ausgabe der Kommunalwirtschaft frei Haus.
Unser PDF Abo ist kostenlos! Abonnieren Sie dazu unseren Newsletter, in welchem ein Downloadlink zur jeweils aktuellen Ausgabe zur Verfügung gestellt wird.
Wenn Sie schon Abonnent der Kommunalwirtschaft sind, melden Sie sich an, um den Artikel zu lesen.
Parkraummanagement im Wandel: Wie Kommunen das Dilemma zwischen Kontrollverlust und Aufwand lösen
Parkraummanagement im Wandel: Wie Kommunen das Dilemma zwischen Kontrollverlust und Aufwand lösen

Städte und Gemeinden stehen heute an einem historischen Wendepunkt: Während die Smart City und ehrgeizige Klimaziele moderne Konzepte fordern, verharrt die komm[...]

26.05.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

verkehr
Kommunen gesucht, die (Lasten)-Fahrräder im Wirtschaftsverkehr verankern wollen
Kommunen gesucht, die (Lasten)-Fahrräder im Wirtschaftsverkehr verankern wollen

Forschungsprojekt „RadiW“ startet mit kostenlosem Weiterbildungs- und Umsetzungsprogramm für Kommunen.(Lasten)räder werden in der Erprobungsphase gestellt. Ziel[...]

15.05.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

verkehr
Schnieder: Neuer Förderaufruf für mehr Sicherheit im Rad- und Fußverkehr
Schnieder: Neuer Förderaufruf für mehr Sicherheit im Rad- und Fußverkehr

Das Bundesministerium für Verkehr (BMV) hat den Förderaufruf „Junge Generation Fahrrad – aktiv mobil“ veröffentlicht. Mit einem Fördervolumen von bis zu 145 Mil[...]

08.05.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

verkehr
Drei Jahre Deutschland-Ticket: Bedeutung und Herausforderungen nehmen zu

Über 100 Verkehrsunternehmen und Verbünde beteiligen sich an Branchenumfrage zum Deutschland-Ticket

06.05.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

verkehr
Destatis: Jedes sechste Todesopfer fuhr Rad – DVR fordert Ausbau der Radinfrastruktur
Destatis: Jedes sechste Todesopfer fuhr Rad – DVR fordert Ausbau der Radinfrastruktur

Die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Radfahrenden ist erneut gestiegen. Nachdem im Jahr 2024 noch 445 Menschen auf dem Fahrrad ums Leben kamen, erhöhte sich[...]

05.05.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

verkehr
Innovative Lösungen für kommunale Aufgaben
Innovative Lösungen für kommunale Aufgaben

Auf der IFAT 2026, der Weltleitmesse für Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft, präsentiert Mercedes-Benz Trucks vom 4. bis 7. Mai ein umfassendes [...]

05.05.2026, Lesezeit ca. 9 Minuten

verkehr
Fahrrad-Monitor 2025 liefert neue Erkenntnisse zur Radmobilität von Jung bis Alt

Für die Bürgerinnen und Bürger ist das Fahrrad ein bedeutendes Verkehrsmittel, erneut mit leicht steigender Tendenz. Das zeigt der Fahrrad-Monitor 2025. Die rep[...]

30.04.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

verkehr
Mehr Tempo im Vergaberecht ja, zusätzliche Belastungen nein

Der Bundestag hat den Entwurf eines Vergabebeschleunigungsgesetzes verabschiedet. Vorgesehen ist unter anderem die Einführung zusätzlicher, verpflichtender Klim[...]

30.04.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

verkehr
Stadtwerke Solingen laden zu offenen Sicherheitstrainings im Busverkehr ein

Die Stadtwerke Solingen erweitern ihr Serviceangebot in der Sparte Mobil um offene Sicherheitstrainings für Fahrgäste, die im Alltag auf besondere Unterstützung[...]

23.04.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

verkehr
Schnieder startet neuen Förderaufruf für kommunale Mobilitätsplanung

Das Bundesministerium für Verkehr (BMV) unterstützt mit einem neuen Förderaufruf Kommunen bei der Erstellung oder Fortschreibung von nachhaltigen urbanen Mobili[...]

15.04.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

verkehr

Weitere Artikel in dieser Rubrik