Dieser Artikel wurde in der Ausgabe März 2025 der gedruckten Kommunalwirtschaft abgedruckt.

Rubrik Verkehr / Mobilität

Städte im Aufbruch: Mobilitätskonzepte und innovative Werbeformate als Schlüssel für urbane Attraktivität

Von Jan Gewinner, Head of Key Account & Agency Management, nextbike GmbH – 28.01.2025 – Lesezeit ca. 5 Minuten 72

Städte im Aufbruch: Mobilitätskonzepte und innovative Werbeformate als Schlüssel für urbane Attraktivität

Laut einer BBSR-Studie (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung) zieht die Urbanisierung immer mehr Menschen in Städte und Stadtregionen. Dies erhöht den Druck auf Infrastruktur, Wohnraum und Grünflächen. Öffentliche Verkehrsmittel stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen, die Verkehrsdichte nimmt zu und die Umweltbelastung steigt enorm. Innovative Mobilitätskonzepte wie Mikromobilität ergänzen den Nahverkehr um umweltfreundliche Optionen wie Fahrräder, E-Bikes und E-Scooter. Das reduziert Emissionen und entlastet die Verkehrsinfrastruktur. Gleichzeitig eröffnen diese Verkehrsmittel ein Werbepotenzial, mit dem lokale Unternehmen und Städte ihre Attraktivität steigern können.

Der acatech-Studien- und Projektbericht zur integrierten Stadtentwicklung und Mobilitätsplanung verdeutlicht, dass eine enge Verknüpfung von Raum- und Mobilitätsplanung entscheidend für die urbane Attraktivität und Nachhaltigkeit ist. Der gezielte Ausbau von Fahrradwegen, Sharing-Services und Leihfahrrädern rückt die Mikromobilität immer weiter in den Fokus. Doch schöpfen Städte das Potenzial dieser Mobilitätsangebote längst nicht aus: Denn durch die Kombination der Mikro-Verkehrsmittel als Werbeträger können Stadtverwaltungen ihre Zielgruppen effektiv erreichen und gleichzeitig die Umwelt schonen. Der Clou ist das Werbeformat: Es fördert die Interaktion mit dem Werbeträger und bringt Bewegung in Kampagnen. So wird beispielsweise Fahrradwerbung zu einem sichtbaren Zeichen für ökologisch bewusste Stadtentwicklung. Das hat auch der Oberbürgermeister von Leverkusen Uwe Richrath erkannt und sagte zum Fahrradverleihsystem wupsiRad: „wupsiRad ist ein wichtiger Baustein zur Vernetzung der vielfältigen Mobilitätsangebote in unserer Stadt. (…) Damit kommen wir der Erreichung der Mobilitätswende und unserer Klimaziele ein weiteres Stück näher.“ Gleichzeitig macht wupsiRad als mobiler Werbeträger mit jeder Fahrt Werbung für sich selbst, den Mobilitätsanbieter in Leverkusen und damit für die Attraktivität der Stadt.

Ein Plus für die Attraktivität der Stadt

Werbung auf Verkehrsmitteln wie Leihfahrrädern und -Scootern integriert sich offenbar nahtlos in die Konzepte von Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit. Das schafft nicht nur zusätzliche Einnahmequellen für Städte (etwa durch Vermietung der Flächen), sondern stärkt auch das Image einer umweltbewussten und innovativen Stadt. So wurde beispielsweise Dresden mit dem MOBI-Bike-Angebot im September 2024 in einem Report des Fahrradverbandes Cycling Industries Europe zur besten deutschen Stadt gekürt. „Das Bike-Sharing-Angebot wird in den nächsten Jahren weiterwachsen, wir wollen weitere Stadtteile erschließen und die Anzahl der Fahrräder erhöhen“, gibt der Dresdner Verkehrsbürgermeister Stephan Kühn bekannt. „Die MOBIbikes ermöglichen nicht nur klimafreundliche Mobilität, sie sind auch das preisgünstigste Mobilitätsangebot in der Stadt.“

Urbanisierung: Städte kämpfen um Fachkräfte

Doch die Herausforderungen der Urbanisierung reichen noch weiter. Großstädte und Ballungszentren konkurrieren um junge, gut ausgebildete Fachkräfte, während kleinere Städte mit Abwanderung kämpfen. Innovative Out-of-Home-Formate wie Fahrradwerbung fördern die Markenbildung lokaler Arbeitgeber. Sie präsentieren die Stadt als attraktiven Arbeitsort und machen die Unternehmen in der Umgebung sichtbar. Mit Werbemaßnahmen im Mobilitätsumfeld können Städte sich im Wettbewerb um Talente besser positionieren. So schaltete die Stadt Leipzig beispielsweise eine Fahrradwerbekampagne, um Freiwillige für die Fußball-Europameisterschaft im Sommer 2024 zu rekrutieren. Auch das Informationstechnikzentrum (ITZ) Bund warb mit Motiven auf Leihfahrrädern – mit dem Ziel, Studieninteressierte für das Verwaltungsinformatik-Studium an der Universität der Bundeswehr in München zu gewinnen.

Stadtmarketing durch innovative Formate aufwerten

Eigenwerbung ist dabei nicht bloß ein Trend in den Stadtverwaltungen. Immer mehr Städte positionieren sich aktiv als attraktive Wohn- und Arbeitsorte. Unterschiedlichste Werbeformate werden dabei zu einem integralen Bestandteil der Stadtmarketingstrategie. Eine Studie des Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland e.V. (bcsd e.V.) betont, dass Stadtmarketing und Stadtplanung eng zusammenarbeiten müssen, um insbesondere zukunftsfähige Innenstädte zu gestalten. In diesem Kontext lassen sich mithilfe innovativer Out-of-Home-Formate wie Fahrradwerbung gleich mehrere Entwicklungen, denen sich Stadtmarketing gegenübersieht, beeinflussen: Fahrradleihsysteme können Innenstadtentwicklung und Mobilität bedienen – parallel auch Nachhaltigkeit und Klimaschutz fördern und sind als Werbeträger auch für die Förderung von Digitalisierung und lokaler Identität einsetzbar.

So hat beispielsweise der Veranstalter im Rahmen „Red Bull Dance Your Style World Final“ in Frankfurt unter anderem Fahrräder mit dem Motiv des Tanzwettbewerbs versehen und zusätzlich Voucher für Freifahrten an die Mitwirkenden verteilt. Insbesondere bei großen Events stärkt diese Form der Werbung das Lebensgefühl und wirkt sich positiv auf die Wahrnehmung von Organisatoren, Sponsoren und Veranstaltungsorten ab.

Attraktivität durch Kooperationen steigern

Generell dienen öffentlich-private Partnerschaften (ÖPP) als effektives Finanzierungsmodell für urbane Projekte und steigern die Standortattraktivität. Unternehmen übernehmen dabei eine aktive Rolle in Infrastrukturprojekten, was sowohl der Stadt als auch den beteiligten Firmen zugutekommt. Die Stärken einer Stadt lassen sich so in Standortvorteile für Unternehmen umwandeln, was schließlich beiden Seiten zugutekommt. Mikromobilität als Werbeumfeld für derartige Kooperationen und Projekte im urbanen Raum zu nutzen, eignet sich gut für Unternehmen, um ihre Unterstützung für die Stadt sichtbar zu machen. Yello-Strom warb in mehreren deutschen Städten für „umweltfreundliche Fortbewegung“ und stärkte damit sowohl die Nachhaltigkeitsziele der Städte als auch das eigene Image als umweltbewusster Energiedienstleister. Via bewegter Out-of-Home-Werbung entdecken Unternehmen im urbanen Umfeld neue Optionen, sich als Partner der Stadtentwicklung zu positionieren.

Fazit: Mobilität und Werbung als Erfolgsfaktoren für zukunftsfähige Städte

Mikromobilität trägt dabei nicht nur zur Verkehrswende bei, sondern bietet auch eine Plattform für die effektive Kommunikation mit allen Interessensgruppen innerhalb einer Stadt – und das sowohl für die Städte selbst als auch für die dort ansässigen Unternehmen. Werbung auf Fahrrädern, E-Bikes oder E-Scootern verbindet Mobilität mit Botschaften, schafft Synergien zwischen Städten, Unternehmen und Bürger:innen und fördert nachhaltig die Attraktivität einer Region als Lebensraum und Wirtschaftsstandort. Für Entscheider:innen in Kommunen und Unternehmen bietet die Kombination aus innovativen Mobilitätskonzepten und kreativen Werbeformaten eine ganz neue Chance, urbanen Herausforderungen zu begegnen. So wird Mikromobilität zum Schlüsselinstrument einer modernen und zukunftsorientierten Stadtentwicklung.

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