Dieser Artikel wurde in der Ausgabe April 2025 der gedruckten Kommunalwirtschaft abgedruckt.

Rubrik Natur und Umwelt

Welche Vorteile hat das Gärtnern in der Stadt?

Urban Gardening: Gemeinsam für grünere Städte

14.03.2025 – Lesezeit ca. 5 Minuten 60

Urban Gardening: Gemeinsam für grünere Städte

Gärtnern in der Stadt ist beliebt: Bereits seit über 20 Jahren zeigt sich in Deutschland ein gestiegenes gesellschaftliches Interesse an der Begrünung urbaner Räume. Viele Stadtbewohner entdecken den neuen Lebensstil für sich und möchten sich künftig selbst mit Obst und Gemüse versorgen oder ihr Umfeld mit Pflanzen aufwerten. Gartenbauexperte Dr. Lutz Popp vom Bayerischen Landesverband für Gartenbau und Landespflege e. V. (BLGL) informiert über die unterschiedlichen Formen und die Vorteile von Urban Gardening sowie über Möglichkeiten zur Beteiligung.

Bis vor wenigen Jahrzehnten gehörte der Anbau von Nutzpflanzen zum Alltag dazu. Auch in den Städten bepflanzten die Menschen verfügbare Flächen, um sich selbst mit Obst und Gemüse versorgen zu können. Mit der Zeit kam der Nutzgarten jedoch aus der Mode, bis er zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine Renaissance erlebte. Besonders große Aufmerksamkeit erregt das Gärtnern in der Stadt. „Ob gemeinschaftlich genutzter Kräutergarten, bepflanzte Hausfassaden und -dächer oder Balkonbegrünung – der Begriff Urban Gardening schließt alle möglichen Formen des Stadtgärtnerns mit ein“, informiert Gartenbauexperte Dr. Lutz Popp vom Bayerischen Landesverband für Gartenbau und Landespflege e. V. Stehen keine Bodenflächen zur Verfügung, etwa weil sie wie der Quelle-Parkplatz in Nürnberg versiegelt oder wie die Prinzessinnengärten in Berlin mit Schadstoffen belastet sind, nutzen Initiativen gerne diverse Gefäße zum Gärtnern. Infrage kommen beispielsweise ausgebaute Maschinenteile, Lebensmittelverpackungen, Foliensäcke, Kisten und Paletten.

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Welche Vorteile hat das Gärtnern in der Stadt?

Urban-Gardening-Projekte werten Städte auf vielfache Weise auf: Pflanzen verbessern die Luft, indem sie Kohlendioxid binden und wertvollen Sauerstoff freisetzen. Darüber hinaus haben sie einen kühlenden Effekt, weshalb urbanes Gärtnern in Zeiten des Klimawandels eine immer größere Rolle spielt. Bürger können Obst und Gemüse vor Ort ernten und ihre Ausgaben für hochwertige Lebensmittel reduzieren. Gleichzeitig entfallen Transportwege für Lebensmittel, was den Energieverbrauch und den CO₂-Ausstoß im Bereich Ernährung reduziert. Durch die Verwertung von anfallendem Grüngut-Kompost an Ort und Stelle lassen sich enge Kreisläufe schaffen. Einwohner erhalten Informationen über den Anbau von Pflanzen und Probleme, die dabei auftreten können. Auf diese Weise wächst das Verständnis für Landwirte und Gärtner. Viele Projekte vermitteln der Stadtbevölkerung Wissen über gesunde Ernährung sowie frische und gesunde Lebensmittel. „Brach- und Freiflächen in der Stadt finden eine sinnvolle Nutzung – selbst, wenn die Begrünung nur vorübergehend ist. Neben der optischen Aufwertung der Flächen und der Möglichkeit zur Selbstversorgung schaffen Stadtgärten auch einen Ort der Begegnung“, ergänzt Dr. Popp.

„Bottom up“: Private Initiativen von Bürgern

Den Anstoß für Urban-Gardening-Projekte gaben in der Vergangenheit oft spontane Guerilla-Gardening-Aktionen, bei denen Aktivisten etwa mithilfe von Samenbomben öde Straßenränder oder Baumscheiben in Wildblumenbeete und Rabatten verwandelten, deren Pflege die Anwohner anschließend häufig übernahmen. „Was Bürger unbedingt wissen sollten: Eine solche Aufwertung vernachlässigter Flächen in der Umgebung ist eigentlich verboten“, betont der Gartenbauexperte. Der Grundstückseigentümer kann von den Aktivisten fordern, dass sie die Pflanzen beseitigen, da es sich um eine Sachbeschädigung handelt. Wenn Bürger bei solchen Guerilla-Aktionen umsichtig vorgehen, stoßen sie bei den Eigentümern – meist sind das die Kommunen – jedoch eher auf positive Resonanz. Wichtig ist beispielsweise, dass Stadtgärtner nur heimische Pflanzen verwenden, dass sie ausschließlich brachliegende Flächen nutzen und dass die Pflanzen den Verkehr nicht behindern.

Engagierte Bürger, die ihre städtischen Begrünungsprojekte längerfristig planen, wählen eine Rechtsform – meist einen Verein. „Um auf der sicheren Seite zu sein, empfiehlt es sich, Absprachen mit der Stadtverwaltung zu treffen“, rät Dr. Popp. Teilweise geben auch Privatpersonen und Firmen geeignete Flächen für Urban-Gardening-Projekte frei.

„Top down“: Kommunale Angebote zum Mitgärtnern

Mittlerweile initiieren sogar viele Kommunen selbst Angebote zum Mitgärtnern für die Bevölkerung, indem sie geeignete Flächen zur Verfügung stellen und aktiv dafür werben – Urban Gardening funktioniert dann nach dem Prinzip „top down“. Solche kommunalen Angebote haben auch wirtschaftliche Vorteile: Wenn Bürger beispielsweise Blühstreifen entlang der Gehwege und Straßen vor ihrem Haus pflegen, entlasten sie damit den Bauhof und helfen den Kommunen beim Sparen.

Was sollten Interessierte beachten?

Auch wenn die Motivation zu Beginn hoch ist und viele Interessierte so schnell wie möglich loslegen möchten, geht es nicht ohne Vorbereitung. Denn um langfristig Freude am neuen Hobby zu haben, sind gartenbauliche Grundkenntnisse unverzichtbar. „Nur so können sich engagierte 'Stadtgärtner' dauerhaft über kräftig wachsende Pflanzen, prächtige Blüten und üppige Ernten freuen. Fachliche Unterstützung erhalten Interessierte beispielsweise bei den Gartenbauvereinen vor Ort“, informiert Dr. Popp vom BLGL. Der Tatendrang motivierter Bürger, ergänzt durch das Wissen erfahrener Vereinsmitglieder, ist die beste Voraussetzung für die Durchführung ambitionierter Urban-Gardening-Projekte.

Erfolgreiche Initiativen der Gartenbauvereine

Ein gelungenes Beispiel für ein Urban-Gardening-Projekt, das direkt von einem Gartenbauverein initiiert wurde, findet sich in der Oberpfalz. Im Juli 2021 gründete der Verein für Gartenbau und Landespflege Stadt Neumarkt, unterstützt durch den Landkreis Neumarkt i.d.OPf., im ehemaligen Schulgarten des Sonderpädagogischen Förderzentrums Neumarkt den ersten urbanen Garten der Stadt. Einen Monat später rief der Verein am Ostrand von Neumarkt noch ein weiteres Urban-Gardening-Projekt ins Leben. Alle interessierten Bürger sind herzlich eingeladen, mitzumachen und sich zu engagieren.

Bei den Rosenheimer Vielfaltsmachern in Stadt und Land e. V. steht der Austausch mit engagierten Bürgern ebenfalls im Vordergrund. Egal ob sie nicht wissen, wo sie anfangen sollen, oder ob sie sich Hilfe bei der Umsetzung einer konkreten Idee wünschen: Interessierte, die Unterstützung benötigen, können sich an den Verein wenden und erhalten nützliche Tipps und Ratschläge. „Beide Projekte zeigen das größtenteils noch ungenutzte Potenzial auf, das es im Bereich des städtischen Gärtnerns und in der Zusammenarbeit von freiwilligen Helfern und Vereinen gibt“, so Dr. Popp.

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