Rubrik Veranstaltungen

Impulse aus Forschung und Planung

Dynamisches Licht für lebenswerte Städte

11.08.2025 – Lesezeit ca. 4 Minuten 443

Dynamisches Licht für lebenswerte Städte

Trident Park & The Brewhouse, Malta – (Bild: Joe Smith / Ulrike Brandi Licht, Hamburg.)

Wie kann Licht im urbanen Raum gestaltet werden, damit es sich flexibel an wechselnde Nutzungen anpasst, Sicherheit vermittelt, die Umwelt schont – und zugleich ein Ortserlebnis schafft, das emotional berührt? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Gesprächs zwischen Ulrike Brandi, international tätige Lichtplanerin, und Prof. Dr. Thomas Römhild von der Hochschule Wismar. Beide eint die Überzeugung: Dynamik ist der Schlüssel zu einer nachhaltigen und menschenzentrierten Lichtgestaltung.

Tageslicht ist dynamisch – es verändert sich mit der Tageszeit, den Jahreszeiten und der Wetterlage. Genau dieses Prinzip gilt es in die künstliche Beleuchtung zu übertragen. „Wir brauchen die Abwechslung, die wir in der Natur vorfinden“, sagt Ulrike Brandi. Starre Lichtkonzepte werden den Anforderungen an moderne Stadtgestaltung nicht gerecht. Vielmehr gehe es darum, Licht als wandelbares Element zu begreifen – angepasst an Nutzung, Ort und Zeit.

Prof. Römhild verweist auf das europäische Forschungsprojekt Dynamic Light, das an der Hochschule Wismar mitentwickelt wurde. „Wir haben untersucht, wie Beleuchtungsszenarien gezielt auf unterschiedliche Nutzungen abgestimmt werden können – ähnlich wie im Innenraum mit Licht-Szenen, nur für den Außenraum.“ Dabei wurde deutlich: Es braucht sowohl adaptive Systeme, die auf Bewegungen oder Situationen reagieren, als auch proaktive Konzepte, die bestimmte Atmosphären gezielt schaffen.

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Ein Beispiel liefert Brandi aus der Praxis: In den Niederlanden ist es auf Fernradwegen üblich, dass das Licht nur dann heller wird, wenn sich Radfahrende nähern. Eine Art „Bugwelle aus Licht“ bewegt sich mit ihnen mit – energiesparend, sicher und nutzungsorientiert. Auch in Hamburg wurde ein Sportplatz mit einem einfachen Buzzer ausgestattet: Wer ihn betätigt, schaltet für 30 Minuten das Licht ein. Danach wird es automatisch wieder ausgeschaltet – eine niederschwellige Lösung mit großem Effekt.

Doch Lichtplanung im öffentlichen Raum muss heute mehr leisten als funktionale Ausleuchtung. Themen wie Biodiversität, Lichtverschmutzung und der Schutz des Nachthimmels gewinnen an Bedeutung. Die Verbindung von Licht- und Dunkelheitsplanung ist für Römhild essenziell: „Wir arbeiten mit Dunkel-Masterplänen, um gezielt Zonen zu identifizieren, die dunkel bleiben sollen – sei es zum Schutz von Tieren oder zur Stärkung des Erlebens von Dunkelheit.“ Auch Brandi betont die ästhetische Qualität nächtlicher Dunkelheit: Ein Spaziergang im dunklen Wald könne wohltuender wirken als jede Lichtinszenierung – wenn man lerne, sich wieder auf das eigene Sehen zu verlassen.

Ein weiteres Thema: Partizipation. Moderne Lichtplanung bindet Nutzende aktiv ein – nicht nur zur besseren Akzeptanz, sondern auch, um das Verständnis für Licht im städtischen Raum zu fördern. Bürgerbeteiligung, wie sie heute vielfach in geförderten Projekten realisiert wird, erweitert den Blick und sorgt für ortsangepasste Lösungen.

Hinzu kommt: Licht schafft nicht nur Sichtbarkeit, sondern auch Identifikation. Wer einen Platz, eine Fassade oder einen Park stimmungsvoll beleuchtet erlebt, gewinnt Orientierung, Sicherheit – und im besten Fall ein Stück Vertrautheit mit dem eigenen Quartier. Licht wird zum Medium des städtischen Erinnerns.

Ein weiterer zentraler Aspekt in der urbanen Lichtplanung ist die Auseinandersetzung mit bestehenden Normen. Gerade für Verkehrswege gelten strenge Vorgaben hinsichtlich Beleuchtungsstärken, die eingehalten werden müssen – häufig jedoch auf Basis veralteter Infrastrukturen. „Mit LEDs stehen heute deutlich leistungsfähigere Lichtquellen zur Verfügung“, erklärt Ulrike Brandi, „doch vielerorts werden einfach alte Mastabstände beibehalten und mit stärkeren Leuchten ausgestattet.“ Die Folge: Städte werden überbeleuchtet, obwohl geringere und gleichmäßigere Lichtverteilungen oftmals funktionaler und umweltschonender wären.

Einen zukunftsweisenden Ausblick gibt Prof. Römhild mit Blick auf KI-gesteuerte Lichtsysteme. Im Projekt „Dynamic Light“ wurden bereits erste Ideen entwickelt, Licht dynamisch an externe Faktoren wie Busfahrpläne oder Schulzeiten zu koppeln. Mit dem Einsatz Künstlicher Intelligenz könnten solche Systeme künftig noch feinfühliger reagieren – etwa auf Wetter, Verkehrsaufkommen oder soziale Aktivitäten im Stadtraum. Die Lichtplanung der Zukunft denkt vernetzt, lernend und vorausschauend – und bleibt dabei dennoch der sinnlichen Qualität des Lichts verpflichtet.

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