Rubrik Energie & Netze

Entscheidungshilfe für Kommunen plus Berechnungs-Tool zur Wirtschaftlichkeit

Erfolgreiche Finanzierung von Wärmenetzen: Aktuelle Studie zeigt, wie es geht

26.03.2026 – Lesezeit ca. 4 Minuten 377

Der Ausbau der Wärmenetze in Baden-Württemberg ist eine Herausforderung. Expertinnen und Experten gehen von einem Investitionsbedarf von 10 Milliarden Euro allein bis 2030 aus. Die Finanzierung bleibt somit eine der Hauptfragen für die finanziell ohnehin stark belasteten Kommunen. Die neue Studie „Finanzierung von Wärmenetzen“ im Auftrag der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW) liefert Gemeinden nun wichtige Grundlagen und Tipps, wie sie ein Wärmenetz planen und finanzieren können. Darüber hinaus hilft ein eigens entwickeltes Excel-Tool, die Wirtschaftlichkeit eines Netzes zu kalkulieren und die Auswirkungen auf den Haushalt für die jeweilige Gemeinde im Blick zu behalten. In die Kalkulation und die Empfehlungen fließt auch ein, dass jede Kommune ihre individuellen Voraussetzungen mitbringt. Die GEF Ingenieur AG, die IBS Ingenieurgesellschaft sowie das Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu) haben die Untersuchung für die KEA-BW erstellt.

Die kommunale Wärmeplanung zeigt die Potenziale für Wärmenetze auf. Sie ist die Basis auf dem Weg zum eigenen Wärmenetz, kann aber keine belastbaren Aussagen zu Kosten und Umsetzbarkeit individueller Projekte machen. Hier setzt die Untersuchung an. Sie liefert konkrete Unterstützung beim Klären der wichtigsten Fragen rund um Planungsphasen und Geschäftsmodelle, Finanzierung und Wirtschaftlichkeit eines Wärmenetzes vor Ort. „Wir wollen Städten und Gemeinden eine Entscheidungshilfe an die Hand geben. Sie zeigt, welches Betriebs-, Finanzierungs- und Geschäftsmodell geeignet ist, um vor Ort Wärmenetze aufzubauen und langfristig erfolgreich zu betreiben“, sagt Matthias Neumeier von der KEA-BW.

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Die Phasen eines Wärmenetzprojekts

Wo beginnen? Die Projektphasen mit ihren unterschiedlichen Anforderungen sind zentral für das spätere Gelingen. Nach der kommunalen Wärmeplanung empfiehlt sich eine Machbarkeitsstudie. Sie klärt die optimale technische Ausgestaltung des Wärmenetzes. Hier treffen die Beteiligten weitreichende Entscheidungen, die Einfluss auf spätere Kosten haben. Die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) unterstützt die Machbarkeitsstudie finanziell. In dieser Initialphase sollten die Kommunen auch schon ein Betreibermodell samt Betreiber ermitteln.

Wahl des Betreibermodells und Finanzierungsmöglichkeiten

Für die Frage, welches Betreibermodell zu welcher Kommune passt, haben die Verfasserinnen und Verfasser eine Entscheidungshilfe erstellt. Zu diesem Zweck haben sie verschiedene Rechts- und Organisationsformen wie den kommunalen Eigenbetrieb sowie Pacht- und Drittinvestorenmodelle wie Contracting gegenübergestellt. Pacht- und Drittinvestorenmodelle haben den Vorteil, dass die Kommunen die technische Betriebsführung sowie die Geschäftsführung auslagern können. Eine positive Folge ist auch die personelle Entlastung, insbesondere bei kleineren Kommunen. „Drittinvestorenmodelle wie Contracting ermöglichen Kommunen eine finanzielle und personelle Entlastung, indem professionelle Wärmenetzbetreiber die Planung, Entwicklung und auch den Betrieb von Wärmenetzen übernehmen“, so Anders Berg von der KEA-BW. Im kommunalen Eigentumsmodell liegt die Steuerung dagegen stärker in den Händen der Kommune.

Die Finanzierung eines geplanten Wärmenetzes stellt Kommunen vor große Herausforderungen. Mit Hilfe der Studie können sie herausfinden, welche Finanzierungsmodelle es gibt, wie sie funktionieren und ob sie sich für die jeweilige Kommune eignen. Im kommunalen Eigentums- und im Pachtmodell etwa trägt hauptsächlich die Gemeinde die Investitionen für das Wärmenetz. Beim Drittinvestorenmodell sind es beispielsweise Contracting-Unternehmen, die die Investition tätigen. Die Untersuchung legt dar, welche Finanzierungsquellen für Kommunen und andere Wärmenetzbetreiber unter welchen Voraussetzungen in Frage kommen. Dazu gehören Darlehen, Investitionsfonds, Inhaberschuldverschreibungen, die Ausgabe von Genussrechten sowie Bürgschaften des Landes oder des Bundes.

Die Studie zeigt auch auf, dass aufgrund der erheblichen Investitionsbedarfe etwa im Sozial- und Bildungsbereich die Kommunen zur Finanzierung entsprechender Projekte neben Eigenkapitalquellen und Fördermitteln immer stärker auch weiteres Kapital von externen Geldgebern und Akteuren erschließen müssen.

Die Wirtschaftlichkeit eines Wärmenetzes berechnen

Das im Rahmen der Studie entwickelte Excel-Tool ermöglicht es Kommunen, die finanzielle Auswirkung eines neuen Wärmenetzes auf ihren Haushalt zu ermitteln. Auch die Einflussfaktoren auf die Wirtschaftlichkeit eines Wärmenetzes, wie eine hohe Anschlussquote oder unterschiedliche Zinssätze, sind ersichtlich. Die Tabellenkalkulation umfasst erklärende und dokumentierende Elemente, hat eine detaillierte Eingabestruktur und führt automatisierte Berechnungen durch. Dank des Tools können Fachleute in den Kommunen Investitionen, Betriebskosten und Finanzierungsstrukturen bewerten. Eine gute Basis, um ein wirtschaftlich erfolgreiches Wärmenetz zu planen.

Kommunen, die Interesse an einer Schulung zum Excel-Tool Wirtschaftlichkeitsberechnung haben, können sich per E-Mail an waermewende@kea-bw.de für eine kostenlose Schulung anmelden.

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