Dieser Artikel wurde in der Ausgabe Mai 2025 der gedruckten Kommunalwirtschaft abgedruckt.

Rubrik Energie & Netze

Mit der CO₂-Bepreisung steigen die Kosten in den nächsten Jahren voraussichtlich deutlich an

Wie teuer heizen mit Öl und Gas künftig wird – und was man dagegen tun kann

29.04.2025 – Lesezeit ca. 4 Minuten 72

Wie teuer heizen mit Öl und Gas künftig wird – und was man dagegen tun kann

Wer mit Öl oder Erdgas heizt, muss künftig tiefer in die Tasche greifen. Der Grund ist die steigende CO₂-Bepreisung. Darauf weist das vom Umweltministerium Baden-Württemberg geförderte Informationsprogramm Zukunft Altbau hin. Seit 1. Januar zahlen Nutzer 55 Euro für den Ausstoß einer Tonne Kohlendioxid. Das ist ein Anstieg um zehn Euro pro Tonne gegenüber 2024. Die CO₂-Abgabe steigt 2026 auf bis zu 65 Euro pro Tonne. 2027 greift dann der EU-weite Emissionshandel ETS 2. Im Jahr 2040 könnten die Zusatzkosten dann bei 275 Euro pro Tonne liegen, so das Umweltbundesamt in einer Modellrechnung. Ein Beispiel zeigt die Dimension für Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer: In einem kaum gedämmten 150-Quadratmeter-Altbau und einem Verbrauch von 3.000 Litern Heizöl können nach aktuellen Prognosen von 2025 bis 2040 Zusatzkosten von insgesamt knapp 25.000 Euro anfallen. Wer jetzt noch fossile Brennstoffe nutzt, sollte sich daher frühzeitig um eine energetische Modernisierung kümmern, so Frank Hettler von Zukunft Altbau. Für solche Maßnahmen ist eine staatliche Förderung möglich.

Die CO₂-Bepreisung in Deutschland macht Kraft- und Brennstoffe im Verkehrs- und Gebäudebereich teurer. Gestartet war sie 2021 mit 25 Euro pro Tonne. Durch den diesjährigen Anstieg verteuern sich die Zusatzkosten beim Heizöl um gut drei Cent auf jetzt 17,5 Cent pro Liter. Bei Erdgas fallen dieses Jahr zusätzlich 0,2 Cent pro Kilowattstunde an – insgesamt liegen die CO₂-Zusatzkosten hier inzwischen bei 1,2 Cent pro Kilowattstunde.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

Die nun wieder gestiegene Abgabe wird seit vergangenem Jahr zwischen Mieter und Vermieter aufgeteilt – je nach energetischem Standard des Gebäudes. Das Stufenmodell zur Kostenaufteilung sieht so aus: Bei Wohnungen mit einer schlechten Energiebilanz und über 52 Kilogramm CO₂-Ausstoß pro Quadratmeter und Jahr sollen Vermieter 95 Prozent und Mieter fünf Prozent der CO₂-Kosten tragen. Das Verhältnis wird für die Vermieter umso günstiger, je besser ihr Gebäude gedämmt ist. Liegt der CO₂-Ausstoß sogar unter zwölf Kilo, was in sehr gut gedämmten Wohngebäuden (KfW-Effizienzhaus 55) der Fall ist, müssen die Mieter die CO₂-Abgabe allein zahlen. Sie wird aufgrund des geringen Energieverbrauchs jedoch sehr niedrig sein.

ETS 2 und die Auswirkungen

Ab 2027 wird die CO₂-Bepreisung auf die europäische Ebene gehoben. Der ETS 2 (Emission Trading System) sieht vor, dass die Unternehmen, die Heizöl und Erdgas verkaufen, Zertifikate erwerben. Deren Preis richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Es wird erwartet, dass deutlich mehr Zertifikate gebraucht werden, als zur Verfügung stehen. Das treibt den Preis in die Höhe. Die Kosten dafür werden an die Verbraucher weitergegeben. Wer in seinem Haus dann noch eine Öl- oder Gasheizung betreibt oder fossile Brennstoffe für seinen Pkw nutzt, muss dann voraussichtlich deutlich mehr zahlen.

Der bisherige Emissionshandel ETS 1 betraf nur den Stromsektor und große Industrieunternehmen. Mit dem ETS 2 tritt nun ein neues EU-Emissionshandelssystem für Gebäude, Verkehr und weitere Sektoren in Kraft. Ziel ist es, klimaschädliches Heizen und fossile Kraftstoffe zu verteuern, um so schneller klimaneutral zu werden. In den Sektoren Gebäude und Straßenverkehr sollen die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 43 Prozent gegenüber 2005 reduziert werden.

Auslaufmodell Gasheizung? Wasserstoff knapp, höhere Netzabgaben

Für Nutzerinnen und Nutzer von Gasheizungen werden die Kosten auch aus einem anderen Grund steigen. Bis Ende 2044 will Deutschland die Erdgasnutzung vollständig aufgeben. Die Alternativen Biogas, synthetisches Erdgas oder Wasserstoff werden knapp und teuer sein, sofern sie überhaupt verfügbar sein sollten. Vom Einbau einer neuen Gas- oder Ölheizung raten Fachleute daher ab.

Auch die Nutzung der Gasnetzinfrastruktur wird zukünftig mehr kosten: Je weniger Menschen einen Gasanschluss benötigen, desto höher werden die Belastungen der einzelnen Haushalte. Durch den Ausbau von Wärmepumpen und Fernwärme wird die Zahl der Haushalte abnehmen, die Gas benötigen.

Beispiel unsaniertes 150-Quadratmeter-Haus

Nimmt man das Szenario des Umweltbundesamtes als Maßstab, das weitere Klimaschutzmaßnahmen als die bereits beschlossenen berücksichtigt, sehen die CO₂-Zusatzkosten so aus: Die Abgabe steigt im Jahr 2027 auf 80 Euro und kann im Jahr 2040 bei 275 Euro pro Tonne CO₂ liegen – pro Jahr kommen also 15 Euro pro Tonne hinzu.

Sollte dieser Preispfad so kommen, bedeutete dies für Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer folgendes: Die Mehrkosten für ein unsaniertes Beispielhaus mit Ölheizung lägen bei knapp 25.000 Euro in den nächsten 16 Jahren. Das haben die Fachleute von Zukunft Altbau berechnet. Bei einer Gasheizung im Haus wären es immerhin noch gut 20.000 Euro Zusatzkosten für die Abgabe.

Tipps zum Geld sparen

Wärmepumpen, der Anschluss an ein Wärmenetz und Holzheizungen sind von der CO₂-Abgabe nicht betroffen. Die Expertinnen und Experten von Zukunft Altbau raten dazu, frühzeitig mit Hilfe einer Energieberatung zu prüfen, wie sie ihr Gebäude auf erneuerbare Energien umstellen und – falls dies notwendig ist – teilweise oder komplett energetisch sanieren können. Wer jetzt seine Heizung tauschen oder die Gebäudehülle besser dämmen will, erhält dafür attraktive Zuschüsse. Beim Heizungstausch sind es bis zu 70 Prozent der Kosten. Fazit: Verbrauchsarme Gebäude, die erneuerbaren Energien nutzen, werden immer attraktiver, denn sie sind nicht von steigenden Gas- und Ölpreisen betroffen.

Advertising

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Link zur kostenlosen PDF Ausgabe der Kommunalwirtschaft!

Sie können diese Ausgabe kaufen oder ein Abonnement abschließen, um diesen Artikel hier sofort und komplett zu lesen. Mit einem Abonnement erhalten Sie zusätzlich jede gedruckte Ausgabe der Kommunalwirtschaft frei Haus.
Unser PDF Abo ist kostenlos! Abonnieren Sie dazu unseren Newsletter, in welchem ein Downloadlink zur jeweils aktuellen Ausgabe zur Verfügung gestellt wird.
Wenn Sie schon Abonnent der Kommunalwirtschaft sind, melden Sie sich an, um den Artikel zu lesen.
Planung für bezahlbare und sichere Wärmeversorgung in Hanau
Planung für bezahlbare und sichere Wärmeversorgung in Hanau

Offenlage des Wärmeplans ab Ende August geplant / Veröffentlichung für November vorgesehen

17.06.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

energie
Haupt-Bauphase für Europas größte Flusswasser-Wärmepumpe in Köln beginnt
Haupt-Bauphase für Europas größte Flusswasser-Wärmepumpe in Köln beginnt

280 Millionen Euro investert die RheinEnergie an ihrem Erzeugungsstandort Köln-Niehl in die Energie- und Wärmewende. Das Projekt von Europas größter Flusswasse[...]

16.06.2026, Lesezeit ca. 6 Minuten

energie
Windenergie vor Ort
Windenergie vor Ort

Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern können selbst Flächen für Windenergieanlagen ausweisen, ergänzend zur Planung der Regionalen Planungsverbände. Geregelt ist d[...]

15.06.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

energie
Umfrage: 84 Prozent der kommunalen Energieversorger setzen auf Batteriespeicher

Der Ausbau von Großbatteriespeicherprojekten nimmt Fahrt auf: 11 Prozent der kommunalen Energieversorger setzen bereits konkrete Projekte um. Weitere 27 Prozent[...]

12.06.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

energie
Bio-Flüssiggas für Stadtwerke und Kommunen

Bio-Flüssiggas bietet Kommunen im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Dazu zählen insbesondere die Aufrechterhaltung des steuer[...]

09.06.2026, Lesezeit ca. 6 Minuten

energie
Pflanzenkohle als Lösung in der Klimakrise?
Pflanzenkohle als Lösung in der Klimakrise?

Der Klimawandel schreitet voran, trotz vielfältiger Initiativen steigt der CO₂-Ausstoß global weiter an, wenngleich langsamer als früher. Noch liegen die abschl[...]

02.06.2026, Lesezeit ca. 4 Minuten

energie
Erdwärme-Projekt der N-ERGIE: 2D-Seismik-Messungen geplant
Erdwärme-Projekt der N-ERGIE: 2D-Seismik-Messungen geplant

Nächster Schritt für das Projekt „Erdwärme Franken“ der N-ERGIE: In der zweiten Jahreshälfte 2026 sollen sogenannte 2D-Seismik-Messungen den Untergrund in und u[...]

29.05.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

energie
Regenerativer Strom aus Achstetten
Regenerativer Strom aus Achstetten

Start frei für eine neue Photovoltaik-Freiflächenanlage im Landkreis Biberach. Am Dienstag, 19. Mai, hat die BWZ Achstetten GmbH offiziell ihren neuen Solarpark[...]

29.05.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

energie
Orientierung für Kommunen beim Windenergieausbau
Orientierung für Kommunen beim Windenergieausbau

Die Regionalverbände in Baden-Württemberg legen die Vorrangflächen für Windenergieanlagen im Südwesten fest. Eine Ersteinschätzung des Ausbaupotenzials auf ihre[...]

28.05.2026, Lesezeit ca. 2 Minuten

energie
Bundesweites Verbundprojekt unterstützt Kommunen beim Ausbau erneuerbarer Energien
Bundesweites Verbundprojekt unterstützt Kommunen beim Ausbau erneuerbarer Energien

Im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative fördert das Bundesumweltministerium das Verbundprojekt „BEEKOMM – Beschleunigung des Ausbaus von erneuerbaren Ene[...]

27.05.2026, Lesezeit ca. 3 Minuten

energie

Weitere Artikel in dieser Rubrik