Rubrik IT / Verwaltung / Security
20.07.2026 – Lesezeit ca. 3 Minuten 163
Noch 17 Monate bis zum Wartungsende für SAP R/3. Bis dahin sollten Unternehmen, die SAP nutzen, auf S/4 Hana umgestellt haben, da der Anbieter den Support für das Vorgängersystem einstellt. Allerdings ist für viele Unternehmen in der Energiewirtschaft die Umstellung keineswegs ein Selbstläufer.
Die Entwicklung ist sehr unterschiedlich, manche Versorger sind schon ziemlich weit bei der Transformation, andere stehen am Anfang und müssen sich noch grundsätzlich mit dem Thema auseinandersetzen, viele sind in der Entscheidungsfindung oder in der Ausschreibung. Das sieht man auch beim IT-Haus Cortility aus Ettlingen bei Karlsruhe so: „Viele Unternehmen werden den Zieltermin 31. Dezember 2027 nicht halten können“, so Holger Geiger, Geschäftsführer der Cortility GmbH: „Wir gehen davon aus, dass wir uns noch bis 2030 damit beschäftigen werden. Dabei ist es egal, ob ein Unternehmen im SAP-Umfeld bleibt oder auf eine alternative Lösung umsteigt.“
Viele Unternehmen suchen schon nach einer Betreuungslösung ihres bestehenden SAP-Systems über 2028 hinaus. Das ist eine Herausforderung für Dienstleister, viele haben ab Ende 2027 keine Tätigkeiten im R/3 Bereich eingeplant, sondern setzen auf die neue SAP-Welt mit der entsprechenden S/4-Beratung und der Add-on-Entwicklung.
Advertising
Bei Cortility rechnet man mit einer Veränderung der Kundenbasis, besonders bei kleineren Stadtwerken gibt es die Tendenz, statt auf eine eigene SAP-Systemlandschaft auf alternative Lösungen zu setzen. „Diejenigen, die bei SAP bleiben, wählen entweder eine Plattform- oder Template-Lösung. Andere Kunden ziehen eine komplette On-Premise-Lösung vor“, erläutert Geiger. Da sich die SAP-Kundenlandschaft in Deutschland verändert, weg von kleineren und hin zu mittleren Unternehmen, merkt man das auch im IT-Dienstleisterbereich. Hier gehen sicherlich einige kleinere Kunden verloren, die sich für alternative Lösungen entscheiden. Dafür gibt es aber Dynamik im Add-on-Geschäft. Und da ist Cortility vorn, denn die Ettlinger haben sich schon früh auf die Entwicklung von Add-ons und Zusatzlösungen im SAP-Umfeld spezialisiert: Beispielseise der elektronische Kontoauszug (ELKO), dynamische Tarife, Netzentgelte in der Endkundenrechnung Lieferant. dazu kommen Themen wie Zuordnungsprozesse in der Marktkommunikation, E-Invoicing und das Reporting der Strom- und Energiesteuer an das Hauptzollamt. Dabei ist auch noch vieles im Fluss, es wird fortlaufend analysiert, welche Themen aus der alten in die neue Welt transformiert werden können und wo eine komplett neue Lösung sinnvoller ist. Firmen wie Cortility müssen einen Spagat stemmen. Einerseits müssen Ressourcen in neue Projekte verplant werden, andererseits wollen Bestandskunden in der alten Welt betreut werden. Dazu gibt es nach wie vor Fachkräftemangel. „Neue Kunden und Projekte nehmen wir nur noch sehr behutsam an. Wir gelten in der Branche als verlässlicher Partner, das wollen wir aufrechterhalten“, so Geiger.
Der Transformationsprozess wird die Versorger noch eine Weile beschäftigen. Daneben gibt es nach wie vor die Formatwechsel der Bundesnetzagentur, die regelmäßigen regulatorischen Anpassungen der Marktkommunikation. Die Formatwechsel werden sich erst ändern, wenn die Transformation in die neue SAP-Welt geschafft ist, erst dann werden sie von der standardisierten MaKo-Cloud profitieren. „Formatwechsel und Transformation sind Mammutprojekte, und zwar neben dem normalen Tagesgeschäft. Von daher sehen wir in den nächsten Jahren einen Investitionsstau im IT-Bereich der Energiewirtschaft“, sagt Holger Geiger.