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Dieser Artikel ist zur Veröffentlichung in der Ausgabe 5 - September / Oktober der gedruckten Kommunalwirtschaft vorgesehen.
Fanströme, Wegeführung und Anstoßzeiten entscheiden darüber, ob Innenstädte profitieren oder außen vor bleiben
Wie ein Spieltag zur Frage der Stadtplanung wird
21.08.2026 – Lesezeit ca. 3 Minuten
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Wenn an einem Spieltag zehntausende Menschen gleichzeitig unterwegs sind, wird sichtbar, wie gut eine Stadt funktioniert. Verkehrswege, öffentliche Räume und zentrale Lagen werden innerhalb weniger Stunden intensiv genutzt, teilweise stärker als im normalen Alltagsbetrieb. Bahnhöfe werden zu Knotenpunkten, Fußgängerzonen zu Bewegungsachsen, Plätze zu Treffpunkten. Ob diese Dynamik auch in der Innenstadt ankommt oder weitgehend am Zentrum vorbeiläuft, ist dabei kein Zufall, sondern das Ergebnis konkreter planerischer Entscheidungen. Eine Analyse der WHU – Otto Beisheim School of Management und hystreet.com zeigt, wie stark sich diese Unterschiede auswirken können. In einigen Städten steigt die Passantenfrequenz an Spieltagen um mehr als 20 Prozent. In anderen bleibt sie trotz vergleichbarer Zuschauerzahlen nahezu unverändert oder fällt sogar leicht ab.
Große Unterschiede zwischen den Städten
Städte wie Leverkusen, Dortmund oder Hannover profitieren davon, dass Fanströme gezielt durch zentrale Lagen verlaufen. Die Innenstadt wird dadurch Teil des Gesamtergebnisses. Fans reisen häufig über zentrale Bahnhöfe an, bewegen sich durch Einkaufsstraßen, nutzen Gastronomieangebote und verweilen vor oder nach dem Spiel im städtischen Zentrum. So entfaltet der Spieltag eine sichtbare und messbare Wirkung auf den Handel, die Gastronomie und das urbane Leben insgesamt. Dabei zeigt sich auch ein Unterschied zwischen absoluten und relativen Effekten. In großen Städten sind die zusätzlichen Besucherzahlen oft hoch, verteilen sich jedoch auf eine größere Fläche. In kleinen Städten fallen die absoluten Zahlen geringer aus, die relative Veränderung ist jedoch deutlich stärker spürbar. Ein Spieltag kann dort die gesamte Innenstadt-Dynamik prägen. In anderen Städten liegt der Fokus stärker auf Effizienz und Steuerung. Direkte Verkehrsverbindungen, Shuttle-Konzepte und klar getrennte Fanrouten sorgen für reibungslose Abläufe und erhöhen die Sicherheit. Gleichzeitig führen sie jedoch häufig dazu, dass Fans möglichst schnell und direkt zum Stadion gelangen und zentrale Lagen umgangen werden. „Volle Stadien bedeuten eben nicht automatisch volle Innenstädte“, sagt Prof. Dr. Christian Schlereth von der WHU. Kiel ist ein prägnantes Beispiel für diese Entwicklung: Die direkte Shuttle-Verbindung vom Hauptbahnhof zum Stadion reduziert Verkehrsbelastung und Reisezeit, verringert aber gleichzeitig die Frequenz in der Innenstadt.
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Stadtplanung wird zum Spielfeld
Auch zeitliche Faktoren spielen eine Rolle. Nachmittagsspiele sorgen für eine gleichmäßigere Verteilung der Besucherströme über mehrere Stunden hinweg. Abendspiele hingegen bündeln Bewegungen stärker und führen insbesondere nach Abpfiff zu Rückströmen in Richtung Innenstadt – ein Effekt, der vor allem in der 1. Bundesliga stark ausgeprägt ist. Zusätzlich beeinflussen Veränderungen im Ligabetrieb die Dynamik. Auf- und Abstiege verändern nicht nur die sportliche Konkurrenz, sondern auch die Struktur der Spieltage. Mehr Gästefans, attraktivere Gegner und andere Anstoßzeiten führen zu veränderten Bewegungsmustern. In Köln zeigt sich dies besonders deutlich: Mit dem Aufstieg nach der Saison 2024/25 stieg auch die Präsenz in der Innenstadt von -5,9 Prozent auf +22,7 Prozent. Für Kommunen ergibt sich daraus eine klare strategische Dimension. Stadionstandorte, ÖPNV-Anbindungen, Fanrouten und Sicherheitskonzepte sind nicht nur operative oder logistische Fragen. Sie beeinflussen direkt, ob und wie stark die Innenstadt vom Spieltag profitiert. „Lange wurde darüber diskutiert, ob Fußball Innenstädte belebt – inzwischen lässt sich dieser Effekt erstmals systematisch messen“, erklärt Nico Schröder von hystreet.com. Fußball wird damit zu einem Baustein integrierter Stadtentwicklung – mit unmittelbaren Auswirkungen auf Frequenzen, Aufenthaltsqualität und wirtschaftliche Aktivität. Der Spieltag ist somit nicht nur ein Ereignis, sondern ein steuerbarer Prozess. Wie er gestaltet wird, entscheidet darüber, ob die Innenstadt Teil des Geschehens wird oder ob das Spiel an ihr vorbeigeht.
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