Rubrik Allgemein

Zusammenschluss von 140 Unternehmen in hessischem Landkreis

Schritt für Schritt in die Klimaneutralität

14.12.2023 – Lesezeit ca. 3 Minuten 53

Schritt für Schritt in die Klimaneutralität

140 Unternehmen und Kommunen arbeiten im Kreis Waldeck-Frankenberg auf die Klimaneutralität hin – und vernetzen sich. (Grafik: Ecospeed AG)

Im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg arbeiten rund 140 Unternehmen und Kommunen gemeinsam auf die Klimaneutralität hin – und nutzen in einem Pilotprojekt die „Ecospeed Business“-Software zur Ermittlung des CO₂-Fußabdrucks.

Es gibt rund vierhundert Landkreise und kreisfreie Städte in Deutschland. Mit Blick auf die CO₂-Emissionen verfolgen alle das gleiche Ziel: die Klimaneutralität. Nur der Zeithorizont ist unterschiedlich. Und in jeder Kommune sind alle Beteiligten – insbesondere Unternehmen und Behörden – aufgefordert, kontinuierlich Beiträge zur Erreichung dieses Ziels zu leisten. Die Unternehmen spielen dabei eine besondere Rolle, weil sie künftig auch durch die CSR-Richtlinie dazu verpflichtet sind, ihren CO₂-Fußabdruck zu minimieren und die Erfolge dabei zu dokumentieren.

Da liegt es aus Sicht der Akteure nahe, sich zusammenzuschließen, voneinander zu lernen und den Weg zur Klimaneutralität gemeinsam zu gehen – mit gesteigertem Tempo. Diese kluge Strategie wird im Landkreis Waldeck-Frankenberg umgesetzt, der das Jahr 2035 als Zeitpunkt für die Klimaneutralität definiert hat. Die praktische Umsetzung der Strategie beruht auf mehreren Säulen. Tim Oberlies, Sprecher des Vereins Klimaneutrales Waldeck-Frankenberg e.V.: „Wir betreiben intensiven Know-how-Transfer auf mehreren Ebenen, erstellen CO₂-Bilanzen der Unternehmen und werden Leuchtturmprojekte mit Beispielcharakter umsetzen. Und wir bieten den Mitgliedern Quick-Checks durch Experten an, um Scope 1- und Scope 2-Emissionen zu senken.“

Für das zweite Aufgabenfeld – die Erstellung von CO₂-Bilanzen – nutzt die Initiative die Software von Ecospeed. Tim Oberlies: „Wir haben ein Pilotprojekt aufgesetzt, in dem fünf Unternehmen von unterschiedlicher Größe und Ausrichtung mit Hilfe von ´Ecospeed Business´ zunächst die CO₂-Bilanz als Ist-Zustand erfassen. Auf dieser Basis werden sie Maßnahmen zur CO₂-Reduzierung definieren und umsetzen, deren Wirksamkeit wiederum mit der Software erfasst und dokumentiert wird.“

Mit dieser Methode verbessern zunächst die am Pilotprojekt beteiligten Unternehmen ihren „Corporate Carbon Footprint“ (CCF) – und geben die Erfahrungen, die sie dabei sammeln, an die anderen 140 Vereinsmitglieder weiter. Dabei werden nicht nur die CO₂-Werte gesammelt und dokumentiert, sondern auch die Investitionskosten und die Einspareffekte, d.h. der Amortisationszeitraum berechnet. Tim Oberlies: „Natürlich spielen bei jeder unternehmerischen Entscheidung auch die Kosten eine Rolle. Das berücksichtigen wir – vor dem Hintergrund, dass die Energiepreise einschließlich der CO₂-Bepreisung weiter steigen werden.“

Die bisherigen Erfahrungen der teilnehmenden Pilot-Unternehmen – die zu Beginn eine Schulung im Umgang mit Ecospeed Business erhielten – ist positiv. Die Software, so die Zwischenbilanz der Anwender, ist einfach zu bedienen, und sie liefert aufschlussreiche Ergebnisse. Im nächsten Schritt wird der Verein weitere Lizenzen erwerben und den Einsatz von Ecospeed Business vereinsweit ausrollen. Tim Oberlies: „Wir haben ein Analysekonzept erarbeitet, auf dessen Basis wir schnell Potenziale finden. Das Monitoring wird gebündelt im Verein durchgeführt und jedem Mitglied bereitgestellt. Die Anwender werden sich auch regelmäßig austauschen, welche CO₂-mindernden Maßnahmen besonders wirksam sind. Damit trägt der Verein dazu bei, dass alle Beteiligten ihre Klimaziele schnell und effizient erreichen. Das nutzt jedem einzelnen Mitglied und ebenso dem Landkreis und der Umwelt.“

Aktuell sind rund 140 Unternehmen im Verein „Klimaneutrales Waldeck-Frankenberg“ aktiv – und haben schon die beeindruckende Menge von 14.000 Tonnen CO₂ eingespart. Das Spektrum reicht von marktführenden Industrieunternehmen wie Continental, Hettich, Hewi und Viessmann bis zu Handwerksbetrieben und Arztpraxen. Weitere Mitglieder sind willkommen. Tim Oberlies: „Je mehr Unternehmen am Erfahrungsaustausch teilnehmen, desto effizienter arbeitet der Verein. Und von dem Wissen, das wir in unseren Projekten generieren, profitiert jedes einzelne Unternehmen.“

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